IL:Begriffserklärungen

From Informationslogistik

Als erstes müssen als Grundlage einige Begriffe definiert werden, damit sich abgegrenzte Bereiche hervortun und der Bedeutungshorizont klar wird. Es wird dabei vom Kleinen ausgehend hin zum Großen definiert, um ein grundlegendes Struktursystem und Selbstverständnis über das Themengebiet zu gewinnen.

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Daten – Information – Wissen

Die Abgrenzung der Begriffe Daten, Information und Wissen stellt eine Herausforderung dar, da die Grenzen oft zwischen diesen Begriffen fließend sind.

Es finden sich daher im wissenschaftlichen Diskurs keine präzisen und übergreifend anerkannten Definitionen, sondern zahlreiche, häufig ähnlich klingende, die jeweils abhängig vom Standpunkt des Definierenden formuliert werden. Die hier dargestellten Definitionen beziehen sich auf das Thema Wissenslogistik und -management und sind dahingehend entsprechend angepasst worden.

Daten

Daten [lat. Plural data = Gegebenes] sind im Zusammenhang des Wissensmanagements Zeichen mit Syntax-Regeln, die Angaben zu Sachverhalten liefern, eine bestimmte Form und Codierung aufweisen, sowie subjektiv und beobachtungsabhängig sind. Sie sind mit Vorurteilen, Ideologien, Theorien durchsetzt und bilden kognitive Landkarten [ (1) Seite 39 ff.].


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Ihre Codierung stellt eine Vereinbarung von bewussten Wesen über die Verwendung von bestimmten Zeichen zum Austausch von Daten dar und muss zuvor vorgenommen worden sein. Daten werden nach ihrer Qualität beurteilt, mit den Kriterien Injektivität, Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz [nach (3) ]. Daten können auf Datenträger gespeichert, abgerufen und verändert werden.

Information

Information [von lat.: informare 'bilden, durch Unterweisung Gestalt geben'] kann statisch und prozessual definiert werden.

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In der statischen Sichtweise ist Information eine Zustandsgröße, kann als Paket von zweckorientierten Daten betrachtet werden, die einen Relevanzkontext besitzen. Jeder Relevanzkontext ist systemspezifisch, systemabhängig und systemrelativ und bildet damit ein mehr oder weniger abgegrenztes, eigenes Kriteriensystem für den jeweiligen Informationskreis. Informationsaustausch ist nur möglich, wenn beide Systeme den identischen Relevanzkontext mit den gleichen Kriterien voraussetzen. [nach (1), Seite 40 ff.].

Daher ist es wichtig dafür Regeln zu definieren, die entsprechende Kriterien als Voraussetzung des Informationsaustausches enthalten.

In der prozessualen Sichtweise liegt der Bedeutungsursprung des Wortes und der Augenmerk auf dem Prozess des Informierens. Dieser besteht aus Übermittlung, Speicherung und Verarbeitung von Daten mit dem Ergebnis Erkenntnis [nach (1), Seite 44 ff.].

Beide Sichtweisen – die prozessuale wie auch die statische – werden in der Wissenslogistik verbunden, indem man den Prozess und seine Zustandsgrößen Voraussetzung und Ergebnis behandelt, die einem Input und Output entsprechen. Informationsträger sind strukturierte, d.h. mit Relevanzkriterien versetzte Datenträger.

Wissen

Wissen (ahd. wischan, gesehen haben) kann wie Information statisch als Paket oder als Prozess definiert werden.


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Aus statischer Sichtweise bilden erst Daten mit Relevanzkontext (=Information) und Erfahrungskontext ein Wissen, es ist also potentielle, organisierte Nutzinformation. Aus prozessualer Sichtweise ist es ein Abbilden der realen oder gedachten Welt in einem materiellen Trägermedium „auf deren Grundlage ein (vernunftbegabtes) System handeln kann [ (4) ]“. Es ist damit zugleich Quelle und Senke im wechselseitigen Zusammenhang und in stetiger Entstehung und Veränderung begriffen [nach (1), Seite 44 ff.]..

„Wissen erlaubt es einem solchen System - vor seinem Wissenshorizont und mit der Zielstellung der Selbsterhaltung - sinnvoll und bewusst auf Reize zu reagieren. “ Grundlegendes Kriterium für den Relevanzkontext ist die Datenqualität. „Als weiterer Maßstab gilt die Übereinstimmung des Wissens mit der wahrnehmbaren Realität [ (4) ]“, was den Erfahrungskontext repräsentiert.

Wissen enthält Vorstellungen in Form von Aberglauben, Bräuchen, Religion, Mystik, Eselsbrücken, Techniken, Patente, Regeln und Theorien und anderem [nach (1), Seite 44 ff.]. Es „wird erworben durch Beobachten und Verfestigen erfolgreicher Handlungen [ (2), Seite 44]“ in der Realität und manifestiert sich nach Schlussfolgerungen in Erfahrungen.

Merkmale, Träger und Arten von Wissen

Wissen ist merkmalsbetrachtet nur ein Abbild, das kontextabhängig, handlungsspezifisch, vorläufig und perspektivisch ist und einen ideellen Wert hat. [nach (1), Seite 50 ff.].

Ein weiteres Merkmal von Wissen ist seine Personengebundenheit an ein Individuum. Dieser wird auch Wissensträger genannt und ist an eine Organisation gebunden, die ihm eine übergeordnete Vision, Strategie, Zweck, Organisierung (Strukturierung), Verstärkung, Mobilisierung und Aktivierung des Wissens bietet.

Experten werden als Haupt- bzw. Schlüsselwissensträger einer Organisation bezeichnet. Außerdem sind sie potentielle Wissensentwickler.

Es gibt einige Arten von Wissen, es kann verborgen, verinnerlicht, kodiert, konzeptionell, sozial konstruiert sein. Auch Ereigniswissen und Prozesswissen ist eine mögliche Unterscheidung.

Gettier-Problem der Wissensdefinition

Wie komplex die Definition von Wissen sein kann, wird im Folgenden deutlich. Edmund Gettier, ein amerikanischer Philosoph, zeigte der an der Definition „Wissen ist gerechtfertigter wahrer Glaube“ – auch als GWG-Behauptung bekannt – mit Beispielen, dass diese zu einem Paradoxon führt [[[IL:Quellen|(5)]]]“.

Ein solches Beispiel dazu ist:

„Angenommen, Smith und Jones haben sich für einen Job beworben. Nehmen wir weiterhin an, dass die folgende Aussage für Smith evident ist:

(d) Ein Mann, der den Job bekommt, hat zehn Münzen in seiner Tasche.

Smith's Evidenz für (d) könnte sein, dass der Chef ihm versichert hat, dass ein Mann den Job bekommt, und dass er, Smith, die Münzen in Jones' Tasche vor zehn Minuten gezählt hat. Die Aussage (d) zieht folgende Aussage nach sich:

(e) Jones ist der Mann, der den Job bekommt, und Jones hat zehn Münzen in seiner Tasche.

Nehmen wir an, dass Smith die Schlussfolgerung von (d) nach (e) einsieht, und (e) aufgrund von (d), die für ihn evident ist, akzeptiert. In diesem Fall ist es für Smith sicherlich gerechtfertigt zu glauben, dass (e) wahr ist.

Stellen wir uns nun vor, dass – ohne dass Smith dies weiß – Smith den Job bekommt, und stellen wir uns weiterhin vor, dass – ebenfalls, ohne dass Smith dies weiß – Smith auch zehn Münzen in seiner Tasche hat. Die Aussage (e) ist dann (für Smith) wahr, obwohl die Aussage (d), von der aus Smith (e) gefolgert hat, für die Allgemeinheit falsch ist.

In unserem Beispiel ist dann folgendes wahr:

(i) (e) ist (für Smith) wahr, (ii) Smith glaubt, dass (e) wahr ist (iii) Für Smith ist es gerechtfertigt zu glauben, dass (e) wahr ist.

Aber es ist auch klar, dass Smith nicht weiß, dass (e) wahr ist, denn (e) ist (nur für ihn) wahr, weil Smith zehn Münzen in seiner Tasche hat, was er nicht weiß; er gründet seinen Glauben auf das Nachzählen der Münzen in Jones Tasche, von dem er fälschlicherweise annimmt, dass er den Job bekommen wird [siehe (5)]“. Schlussfolgerung ist daraus nun, dass Wissen nicht „gerechtfertigter wahrer Glaube“ ist.

Zusammenfassung der Wissensdefinition

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Zusammengefasst lässt sich folgendes sehr vereinfacht sagen: Wissen ist eine vorläufig wahre Zustandsgröße und ein selbstbezüglicher Prozess seiner Träger. Seine Definition verändert es bereits, da diese selbst zum Bestandteil des Wissens wird. Es ist durch Erfahrungskontext getränkte Information. Information ist ein Datenbestandteil, welcher beim Beobachter durch die beobachterabhängige Relevanz einen Unterschied hervorrief. Daten sind etwas, was wahrgenommen werden kann, aber nicht muss. Für einen Wissensaustausch müssen Übereinkommen über Vorgehensweise (Prozesse), Kommunikationsmedium, Codierung, Form und Qualität der Daten, Relevanzkriterien, Regeln sowie Gruppen mit Rechten und Pflichten getroffen werden.


Zur besseren Einordnung seien Abbildung 8 und 9 noch gegeben, in der sich die unterschiedlichen Eigenschaften und Stufen von Daten, Information und Wissen abschließend gezeigt werden.

File:Daten-Information-Wissen.jpg (14)

File:Daten-Information-Wissen2.jpg (18)

Dimensionen des Wissens

Zur Erweiterung der Definition von Wissen werden in diesem Kapitel die Dimensionen des Wissens betrachtet.

Wissenspsychologische Dimension

In der Wissenspsychologie unterscheidet man zwischen Deklarativ- bzw. Sachwissen, Fähigkeits-, Prozedur- und Meta- bzw. Kontrollwissen. [nach (1), Seite 46 ff.].

File:Dimensionen Wissen.jpg

Deklaratives Wissen ist Wissen über Fakten, Sachverhalte, Personen, Objekte und Ereignisse, es meint das Theoriewissen bzw. das Kennen. Prozedurwissen ist Wissen, welches zur Durchführung von Tätigkeiten nötig ist, es beinhaltet motorische (z.B. Schreiben, Radfahren) und kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten (z.B. Multiplizieren, Konzeptionieren). Dies bezeichnet das Können. Die Planung und Steuerung der Anwendung von Deklarativ- und Prozesswissen ist das Meta- bzw. Kontrollwissen [nach (1), Seite 47], es handelt sich hierbei vereinfacht gesagt um „Wissen über Wissen“ und beinhaltet die Antwort auf die Fragen „Wer weiß was?“ und „Wo findet man die nötigen Informationen?“[ (7), Seite 6].

Diese Betrachtung liefert eine mögliche Kategorisierung für das Wissensmanagement, auf die noch später eingegangen wird.


Transferdimension: Implizites und explizites Wissen

In der Betrachtung der Transferdimension von Wissen teilt sich das Wissen in die Bereiche implizites und explizites Wissen, die auf den ungarischen Physiker und Philosophen Michael Polanyi [ (6) ] zurückgeht, der den Begriff des impliziten Wissens im Jahr 1967 schuf.

Implizites (stillschweigendes) Wissen ist „ein Wissen, das eine Person aufgrund ihrer Erfahrung, ihrer Geschichte, ihrer Praxis und ihres Lernens hat [nach (1), Seite 47 ff.]“. Es unterscheidet sich dabei in technische und kongnitive Aspekte.

Der technische Teil beschränkt sich auf das handwerkliche Geschick und Fertigkeiten. Der kognitive Teil sind „jene mentalen Modelle und Glaubens-/Rechtfertigungssysteme, die unser Bild der Realität bestimmen“. Dieser Teil bildet Analogien und orientiert sich anhand dieser in der Umwelt. Das beinhaltet auch Visionen von der Zukunft. Es ist tief in den Erfahrungen, Idealen, Werten oder Gefühlen der Individuen verankert, wobei die Person nicht unbedingt bewusst wissen muss, dass sie dieses Wissen hat. Es ist „schwerlich in formaler Sprache ausdrückbar“ und begrenzt verfügbar [und] an den ‚Besitzer’ zeitlich wie sozial gebunden [nach (1), Seite 46 ff. und (2), Seite 46].“

File:WM-Explizit-Implizit.jpg

Explizites Wissen meint aussprechbares, formulierbares, dokumentierbares, „beschreibbares, standardisiertes Wissen, das methodisch und systematisch in Systemen, Strukturen, Prozessen, Dokumentationen, Bibliotheken, Datenbanken, Marken, Patenten lagert.“ Es ist also ein Wissen, „von dem der Wissende weiß und über dass er sprechen kann. Es ist prinzipiell allgemein verfügbar und zeitlich stabil vorhanden [nach (1), Seite 46 ff. und (2), Seite 46].“

Zugänglichkeitsdimension: Individuell, Kollektiv, Extern

Hierbei lässt sich individuelles und kollektives Wissen betrachten.

Individuelles Wissen ist das Wissen der einzelnen Person, sie hat die unmittelbare Verfügungsgewalt darüber. Fließt individuelles Wissen in organisatorische Handlungen oder eine organisatorische Wissensbasis ein, so wird es ein Teilbaustein des kollektiven Wissens. Man spricht hier auch oft von individuellen Wissen im sozialen Kontext. Nicht alles individuelle Wissen ist der Organisation zugänglich, dies hängt unter anderem von der Motivation der Individuen ab.

Kollektives Wissen (=organisationales Wissen) ist durch eine Gruppe von Individuen geteiltes Wissen. [nach (1), Seite 54]

Externes Wissen wird externen Wissensträgern zugeordnet, die außerhalb der Organisationsgrenzen agieren, wie z.B. Kunden oder Lieferanten [nach (1), Seite 55]. Es ist entweder erreichbar oder als blinder Fleck für die Organisation nicht erreichbar.

System

Ein System ist [nach (1), Seite 19] eine Menge von

  • Elementen
  • Eigenschaften, definiert auf den Elementen, und von
  • Beziehungen, definiert zwischen den Elementen des Systems und ihrer Umwelt.

Systeme sind hierarchisierbar, z.B. in Übersystem oder Subsystem. Sie haben Eigenschaften, die das Verhalten ihrer Elemente bestimmen.

Soziotechnische Systeme sind die komplexeste Ausprägung konkreter Systeme mit vielen Elementen. Für ihre Erfassung ist die Beschreibung des gesamten Systems nötig. Es gibt offene und geschlossene, statische oder dynamische, determinierte oder probabilistische, selbstorganisierende oder struktur-determinierte, adaptive und lernfähige Systeme.

Organisation / Unternehmen

Statisch bezeichnet der Begriff Organisation ein soziotechnisches System. Dieses System besteht aus sozialen und technischen Elementen. Soziale Elemente dieses Systems sind die Mitglieder der Organisation, technische Elemente sind die Summe seiner gesamten technischen Infrastruktur [nach (1), Seite 58 ff.]. Ist dieses System auf die Erreichung eines Zwecks ausgerichtet, spricht man von einem Unternehmen.

Prozessual gesehen ist der Prozess des Organisierens mit der Handlung der Strukturierung gemeint, der Prozess des Unternehmens kann als aktives Handeln verstanden werden. In Verbindung beider Perspektiven dient das Organisieren dem System Organisation und das aktive Handeln darin der Unternehmung.

Management

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Management [engl. management = Leitung, Führung; von lat. "manum agere"="an der Hand führen"] wird hier im wissenslogistischen Hintergrund als Führung von Unternehmen definiert. Management kann institutional, dimensional und funktional betrachtet werden, wie in Abbildung 12: Management-Definition, dargestellt [nach (1), Seite 11 ff.].

Management als Institution bezeichnet die Gruppe von Personen mit Weisungsbefugnissen, also alle Personen, die Vorgesetztenfunktionen erfüllen. Die dimensionale Betrachtung liefert die Kategorien normativ, strategisch und operativ. Das normative Management legt globale Ziele, Prinzipien und Spielregeln fest. Das strategische Management baut Strukturen auf und pflegt diese zur Nutzung der Potentiale der Organisation. Das operative Management schließlich ist für die Umsetzung und damit für das Tagesgeschäft zuständig.

Gegenstand der funktionalen Betrachtung ist die Beherrschung eines Prozesses mit seinen Tätigkeiten und Aufgaben. Hier existieren die Kategorien Entwicklung, Lenkung und Gestaltung. Die Entwicklung ist als Ergebnis von Gestaltung und Lenkung für die evolutionäre Verbesserung zuständig und hat als eher obere Führungsaufgabe weitreichende Konsequenzen. Die Gestaltung schafft den Rahmen und das Modell mit seinen Eigenschaften, sie ist als Aufgabe für die mittlere Führung von ähnlich weitreichenden Konsequenzen. Die Lenkung legt operative Ziele fest, löst Handlungen aus und kontrolliert diese. Sie ist eher Aufgabe der unteren Führung und hat kurzfristige Konsequenzen. Diese Funktionen sind nicht getrennt wahrzunehmen und nicht direkt nur einer Führungsebene zuzuordnen, da alle drei Führungsebenen in allen drei Funktionen tätig sind, allerdings bestehen die genannten Tendenzen.

Die Verbindung aller Betrachtungsweisen liegt darin, dass die funktionale Entwicklung einen normativen, Gestaltung einen strategischen und Lenkung einen operativen Charakter aufweist und der Personengruppe Weisungsbefugte zugeordnet werden kann.

Informationsmanagement

Das Informationsmanagement behandelt die statische Perspektive des Wissens, also Informationssysteme. Als solche können die technischen Einrichtungen des soziotechnischen Systems Unternehmen verstanden werden. Es geht hier hauptsächlich um die Erstellung von Kriterien zu Relevanz und Ablage.

Das Informationsmanagement nutzt z.B. als Werkzeuge Content Management Systeme (CMS) oder Dokumenten Management Systeme (DMS), um Informationen zu speichern und zu verbreiten.

Logistik

Geschichte

Der sprachhistorische Bedeutungsursprung von Logistik [griech. logos = Gesetzmäßigkeit, Wort, Vernunft, Verstand; franz. logis = Quartiere und Lager der Einheiten einer Armee] geht auf die Wörter Logik und Quartier zurück. [nach (1), Seite 24] Darin zeigt sich die militärische Herkunft des Wortes. Logistik gibt es im Militärbereich schon sehr lange.

Erstmalig erwähnt worden ist sie vermutlich vom oströmischen Kaiser Leo VI. (886-911), der in seinem Werk "Taktik" neben anderen Künsten des Krieges - wie Strategie und Taktik, Bewaffnung und Fortifikation, der Astronomie, Orthodoxie und Sanität - und ganz besonders auch die Logistik hervorhebt.

Sie wird in den folgenden Jahrhunderten mehr und mehr mit Strategie und Taktik vermischt und verliert ihre Eigenständigkeit, bis die Welt in der näheren Vergangenheit auf das Werk "Pure Logistics. The Science of War Preparation" des amerikanischen Flottenadmirals George Cyrus Thorpe (1875-1936) aufmerksam wird, der die Logistik als eine ganzheitlich, in sich geschlossene Wissenschaft bezeichnet.

Er erklärt sie zu einem besonderen Zweig der Kriegführung, der eine große Anzahl von Tätigkeiten – wie Nachschub, Transport, Ingenieurwesen, Unterhalt, Sanität, Verwaltung – umfasst, die in ihrer Gesamtheit mit strategischen und taktischen Aktivitäten koordiniert werden. Damit werden Strategie und Taktik zum Werkzeug der Logistik und ihre Bedeutung verschiebt sich hin zur Zuständigkeit für die Versorgung der Truppe und damit zur Transportfunktion im weitesten Sinne [nach (10)].

Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden diese Erkenntnisse auf die Wirtschaft übertragen, zuerst in den USA, später dann in der Welt. Ab den 70er Jahren drang sie dann auch mehr und mehr in Europa durch. In den Folgejahren wurde das auf weitere Bereiche ausgedehnt. Es entstanden u. a. die Produktions-, Unternehmens-, Verkehrs-, Informations- und schließlich die Wissenslogistik.


Definition Logistik

Es gibt daher zahlreiche Definitionsversuche zu diesem Begriff, einige seien hier ausgewählt dargestellt und im Zusammenhang des Wissensmanagements verknüpft.

Logistik hat nach [nach (1), Seite 25] dafür zu sorgen, dass ein Empfangspunkt gemäß seines Bedarfs von einem Lieferpunkt mit

  • dem richtigen Produkt
  • in der richtigen Menge
  • im richtigen Zustand
  • zur richtigen Zeit
  • am richtigen Ort
  • zum richtigen Preis

versorgt wird.

Diese Definition ist auch als die „6 R’s der Logistik “ bekannt. Eine weitere im Wissensmanagement-Zusammenhang verwendbare Definition ist nach [nach (1), Seite 25 ff.]: „Die betriebwirtschaftliche Logistik kennzeichnet Systeme und Prozesse zur effektiven Raum-Zeit-Überbrückung.

Prozesse

Das Wort Prozesse spielt in der Logistik und damit auch in dieser Arbeit eine wichtige Rolle, daher sei es an dieser Stelle gleich mit definiert [nach (11) ]: Allgemein sind Prozesse eine Folge von Aktionen. Nach DIN 66201 die Umformung und/oder den Transport von Materie, Energie und Informationen von einem Anfangszustand in einen Endzustand nach genau festgelegten Regeln.


File:WM-Prozess.jpg

Wissenslogistik

Als relativ junge Disziplin beschäftigt sie sich mit der prozessualen Perspektive des Wissens. Sie „stellt durch entsprechende Interventionen sicher, dass das vorhandene, für die jeweilige unternehmerische Handlung erforderliche Wissen in der entsprechenden Form zeitlich und örtlich verfügbar und zugänglich ist. Im engeren Sinn kann Wissenslogistik als Management von Wissensbedarf, -angebot und -transfer verstanden werden [ (1), Seite 112].“

Sie ist damit – in Anlehnung an die vorangehende Definition für Logistik – für die Bereitstellung der

  • richtigen Information
  • in der richtigen Menge
  • in der richtigen Qualität
  • zur richtigen Zeit
  • am richtigen Ort
  • zum richtigen Preis

zuständig. Hier steht allerdings nicht mehr die Verteilung von knappen Ressourcen im Vordergrund, wie in der klassischen Logistik, sondern die kontinuierliche Neuschöpfung, Aktualisierung von Wissen und damit auch die Filterung der Informationsflut [nach (2), Seite 19].

Wissensmanagement

Wissensmanagement ist ebenfalls eine recht junge Disziplin und eine neue Form des Managements von Humankapital und Unternehmenskultur. Sie ist „das Management von Wissenssystemen [nach (1), Seite 112 ff.]“ und beschäftigt sich mit der Verbindung von Informationsmanagement und Wissenslogistik. Das nachfolgende Zitat fasst das noch mal zusammen:

„Wissensmanagement ist eine formale, strukturierte Initiative zur Verbesserung der Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Wissen in einer Organisation. Es ist ein formaler Prozess zur Wandlung des Wissens einer Unternehmung in Unternehmenswert [ (9) ].“

Es existieren eine Vielzahl von anderen Versuchen, den zu einem Schlagwort gewordenen Begriff Wissensmanagement zu definieren. Letztendlich definiert es sich aber vor allem über seine Werkzeuge und Methoden.


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